3 lustige Vorlese-Geschichten für Senioren: Unterhaltung mit Herz und Köpfchen
VORLESEGESCHICHTEN FÜR PFLEGEKRÄFTE
11/9/20259 min read
Hallo liebe Pflegekraft!
Du suchst nach einer schönen Beschäftigung für deine Bewohner? Diese drei Geschichten sind perfekt zum Vorlesen – sie dauern jeweils nur 3-5 Minuten und enthalten zum Beispiel kleine Rechenaufgaben zum Mitmachen.
Was macht diese Geschichten besonders?
Sie spielen in der Vergangenheit, in vertrauten Situationen wie der Kantine, beim Friseur oder beim Sonntagsbraten. Das weckt Erinnerungen und schafft eine warmherzige Atmosphäre. Mitunter gibt es eingebauten Rechenaufgaben - diese sind einfach gehalten und aktivieren sanft das Gehirn – auch Menschen mit leichter Demenz können gut mitmachen.
Tipps zum Vorlesen:
In den Geschichten findest du Anweisungen in Klammern – die sind nur für dich. Sie zeigen dir, wann du Pausen machen solltest oder Zeit zum Rechnen brauchst. Lies ruhig und deutlich, lass deine Zuhörer mitdenken und reagieren. Ein Lachen oder ein überraschtes "Ach!" sind ausdrücklich erwünscht!
Am Ende jeder Geschichte findest du Gesprächsanregungen, um mit deinen Bewohnern ins Plaudern zu kommen. Und hier beginnt dann natürlich die wahre Magie, wenn man zusammen ins Erinnern kommt.
Die drei Geschichten:
1. "Das Verschwinden der Butterbrote" – Eine Kantinenleiterin und ein hungriger Dieb
2. "Der kalte Braten" – Wenn aus Pannen neue Traditionen werden
3. "Die vertauschten Handtaschen" – Eine Verwechslung führt zu Freundschaft
Viel Freude beim Vorlesen!
1) Das Verschwinden der Butterbrote


Frau Gertrud Weber war Kantinenleiterin in der Textilfabrik Schmidt & Söhne. Seit dreißig Jahren stand sie jeden Morgen um fünf Uhr in ihrer Küche und schmierte Butterbrote für die Arbeiter. Hunderte Brote, Tag für Tag.
Aber seit einer Woche geschah etwas Merkwürdiges: Jeden Mittag fehlten Butterbrote!
"Das gibt's doch nicht!", schimpfte Gertrud am Dienstagmorgen und zählte nach. "Gestern habe ich genau gezählt, und trotzdem waren am Abend sechs Brote weg!"
Ihre Kollegin Hilde, die gerade die Kaffeemaschine aufsetzte, lachte. "Vielleicht hast du einen heimlichen Verehrer, der dir die Arbeit erleichtern will?"
"Ach was!", brummte Gertrud. "Das ist Diebstahl! Heute passe ich auf!"
Am Morgen bereitete sie wie immer die Butterbrote vor. In der Kühlkammer stapelte sie:
Für die Frühschicht: 8 Käsebrote
Für die Spätschicht: 5 Wurstbrote
Für die Nachtschicht: 4 Salamibrote
Extra für den Chef: 2 Schinkenbrote
(Pause machen und die Zahlen langsam wiederholen: 8, 5, 4 und 2)
Wie viele Butterbrote sind das zusammen?
(Den Zuhörern Zeit geben zum Rechnen. Eventuell mit den Fingern mitzählen oder auf einem Blatt Papier die Zahlen aufschreiben. Die Lösung ist 19.)
Gertrud schloss die Kühlkammer sorgfältig ab und steckte den Schlüssel in ihre Kitteltasche. "So! Mal sehen, ob heute wieder welche verschwinden!"
Um elf Uhr ging sie nachschauen. Sie öffnete die Tür und...
"Was zum...!" Drei Brote fehlten! Dabei hatte niemand außer ihr den Schlüssel!
Hilde kam neugierig dazu. "Und? Wieder welche weg?"
"Drei Stück! Aber wie?" Gertrud kratzte sich am Kopf. "Ich verstehe das nicht!"
Am nächsten Tag passierte dasselbe. Gertrud hatte neue Brote gemacht:
7 Käsebrote
6 Wurstbrote
3 Eibrote
(Wieder die Zahlen langsam wiederholen: 7, 6 und 3)
Wie viele Brote hatte sie diesmal vorbereitet?
(Zeit zum Rechnen geben. Eventuell gemeinsam laut zählen. Die Lösung ist 16.)
Und wieder: Am Mittag fehlten vier Brote!
"Jetzt reicht's!", rief Gertrud. "Ich bleibe heute hier und passe auf!"
Sie versteckte sich hinter einem großen Mehlsack und wartete. Und wartete. Die Uhr tickte. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten.
(An dieser Stelle können Sie ein wenig Spannung aufbauen, indem Sie langsamer sprechen)
Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Ein Scharren. Ein Kratzen.
Gertrud lugte vorsichtig um den Mehlsack herum – und traute ihren Augen nicht!
(Kurze dramatische Pause)
Durch ein kleines Loch in der Wand, ganz unten an der Ecke, zwängte sich... ein struppiger brauner Hund! Er schnappte sich geschickt ein Brot vom untersten Regal und verschwand wieder durch das Loch!
(Hier dürfen die Zuhörer reagieren – oft gibt es Lachen oder überraschte Ausrufe)
"Na, du Schlawiner!", rief Gertrud, aber sie musste lachen.
Sie holte Hilde. Gemeinsam gingen sie nach draußen und fanden den Hund in einem alten Holzverschlag hinter der Fabrik. Bei ihm lagen drei Welpen!
"Ach du liebes bisschen", flüsterte Gertrud gerührt. "Die arme Mutter versucht ihre Kleinen durchzubringen!"
Sie zählte nach, wie viele Brote die Hundemama in den letzten Tagen geholt hatte:
Am ersten Tag: 6 Brote
Am zweiten Tag: 3 Brote
Am dritten Tag: 4 Brote
(Noch einmal die Zahlen wiederholen: 6, 3 und 4)
Wie viele Brote hatte die Hündin insgesamt stibitzt?
(Zeit zum Rechnen lassen. Bei Bedarf die Zahlen noch einmal nennen und gemeinsam addieren. Die Lösung ist 13.)
"Dreizehn Brote", sagte Gertrud. "Das ist ja eine ganze Menge! Aber weißt du was, Hilde? Ab heute kriegt sie ihre Brote offiziell. Die arme Seele!"
Von da an brachte Gertrud jeden Tag eine Schüssel mit Brotabschnitten, Wurst und manchmal sogar Fleischresten für die Hundefamilie. Die Arbeiter erfuhren von der Geschichte und jeder legte etwas dazu.
Nach drei Wochen waren die Welpen groß genug und Gertrud fand für alle ein gutes Zuhause. Die Mutterhündin aber – die durfte bleiben.
Sie bekam den Namen "Brösel" und wurde das offizielle Fabrikmaskottchen. Jeden Morgen begrüßte sie die Arbeiter schwanzwedelnd am Tor, und mittags lag sie zufrieden in der warmen Küche bei Gertrud.
Und wenn mal wieder ein Butterbrot verschwand? Dann schauten alle zu Brösel – und die wedelte nur unschuldig mit dem Schwanz!
(Am Ende der Geschichte können Sie lächeln und eine kurze Pause machen, bevor Sie zu den Gesprächsanregungen übergehen)
Lösungen:
Erste Rechnung: 19 Brote (8+5+4+2)
Zweite Rechnung: 16 Brote (7+6+3)
Dritte Rechnung: 13 Brote (6+3+4)
[Gesprächsanregungen:]
(Diese Fragen können Sie nach der Geschichte stellen, um ein Gespräch anzuregen)
Hatten Sie früher auch einen Hund?
Haben Sie mal in einer Kantine oder Fabrik gearbeitet?
Erinnern Sie sich an Pausenbrote von früher? Was war Ihr Lieblingsbrot?
Kennen Sie auch Geschichten von Tieren, die etwas Lustiges angestellt haben?
2) Der kalte Sonntagsbraten


Herr Walter Schulze war stolz auf seinen Sonntagsbraten. Seit fünfzig Jahren briet er jeden Sonntag einen Schweinebraten – immer nach dem gleichen Rezept seiner Mutter.
Heute war wieder Sonntag. Walter hatte den Braten schon am Morgen vorbereitet: Schön gewürzt mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Majoran. Genau wie Mutter es ihm beigebracht hatte. Um halb zwölf schob er ihn in den Ofen.
"In zwei Stunden ist er fertig", murmelte er zufrieden und setzte sich in seinen Sessel, um die Zeitung zu lesen.
(Langsam vorlesen, damit die Zuhörer der Geschichte folgen können)
Eine Stunde später klingelte das Telefon. Es war sein alter Freund Ernst.
"Walter, kannst du mir helfen? Mein Auto springt nicht an. Könntest du mich zur Apotheke fahren? Ich brauche dringend meine Tabletten."
"Na klar, Ernst! Ich komme sofort."
Walter griff nach seinem Autoschlüssel und fuhr los. Die Apotheke war nur zehn Minuten entfernt. Das würde schon klappen mit dem Braten.
Aber bei der Apotheke war eine lange Schlange. Und dann wollte Ernst noch kurz zur Post. Und dann traf Walter seinen Nachbarn Müller, und die beiden kamen ins Plaudern über die alten Zeiten...
(Hier können Sie schmunzelnd zur Seite schauen, als würden Sie die Zeit vergehen sehen)
Als Walter endlich nach Hause kam, war es schon nach zwei Uhr!
"Mein Braten!", rief er erschrocken und rannte in die Küche.
Der Ofen war aus. Walter hatte vergessen, ihn anzustellen! Der rohe Braten lag kalt in der Röhre.
"Na, das kann ja heiter werden", seufzte Walter. "Jetzt braucht er noch zwei Stunden. Dann gibt es erst um vier Uhr Essen!"
(Pause machen, damit die Zuhörer die Situation erfassen können)
Ratlos stand Walter in seiner Küche. Sein Magen knurrte bereits. Was sollte er nur tun?
Da fiel sein Blick auf die Speisekammer. Dort standen noch ein paar Gläser mit eingelegten Gurken von seiner Schwester. Und auf dem Regal lagen drei Kartoffeln vom Wochenmarkt. Im Kühlschrank hatte er noch Butter und ein Stück Räucherspeck.
"Bratkartoffeln!", rief Walter. "Die gehen schnell!"
(Mit etwas Begeisterung in der Stimme vorlesen)
Er schälte die Kartoffeln, schnitt sie in Scheiben und briet sie mit dem Speck in der Pfanne. Dazu gab es die sauren Gurken.
Walter setzte sich an den Tisch und probierte. Die Bratkartoffeln waren knusprig, der Speck würzig, die Gurken schön sauer.
"Weißt du was", sagte Walter zu sich selbst, "das schmeckt ja richtig gut! Fast so gut wie Mutters Sonntagsbraten!"
(Zufrieden lächeln beim Vorlesen)
Am nächsten Sonntag klingelte wieder das Telefon. Wieder war es Ernst.
"Walter, entschuldige nochmal wegen letzter Woche. Das tat mir wirklich leid mit deinem Braten. Kommst du heute zum Essen zu mir? Ich hab einen schönen Schweinebraten im Ofen!"
Walter lachte. "Weißt du was, Ernst? Bring deinen Braten mit zu mir. Ich mache Bratkartoffeln mit Speck dazu. Das passt hervorragend zusammen!"
Und so wurde aus dem vergessenen Sonntagsbraten eine neue Tradition. Von da an trafen sich Walter und Ernst jeden zweiten Sonntag. Einmal gab es Braten bei Ernst, einmal Bratkartoffeln bei Walter.
"Manchmal", sagte Walter zu Ernst, "sind die besten Rezepte die, die man gar nicht geplant hatte."
Ernst nickte und biss genüsslich in eine knusprige Bratkartoffel. "Da hast du vollkommen recht, mein Freund!"
(Am Ende gemütlich ausatmen und lächeln)
[Gesprächsanregungen:] (Diese Fragen ruhig und freundlich stellen, nicht alle auf einmal)
Haben Sie früher auch immer sonntags einen Braten gemacht?
Was war Ihr Lieblingsgericht am Sonntag?
Sind Ihnen auch schon mal lustige Pannen beim Kochen passiert?
Mochten Sie lieber Bratkartoffeln oder Salzkartoffeln?
Hatten Sie auch so einen guten Freund wie Walter seinen Ernst?
3) Die vertauschten Handtaschen


Frau Emma Richter ging jeden Donnerstag zum Friseur. Seit zwanzig Jahren ließ sie sich bei Friseurmeister Herbert die Haare machen. Immer donnerstags um halb zehn.
An diesem Donnerstag hatte Emma ihre neue Handtasche dabei. Eine schöne braune Ledertasche, die ihr die Tochter zum Geburtstag geschenkt hatte.
(Ruhig und deutlich vorlesen)
"Guten Morgen, Frau Richter!", begrüßte Herbert sie fröhlich. "Wie immer? Waschen, legen, föhnen?"
"Ja bitte, Herbert. Und diesmal vielleicht ein bisschen mehr Volumen?"
Emma setzte sich in den Friseurstuhl und stellte ihre Handtasche auf den kleinen Tisch neben sich. Dort lag schon eine andere braune Ledertasche.
"Oh", sagte Emma, "die sieht ja fast genauso aus wie meine!"
"Das ist von Frau Wagner", erklärte Herbert. "Die ist gerade unter der Trockenhaube."
(Langsam weiterlesen, damit alle folgen können)
Eine Stunde später war Emma fertig. Die Frisur saß perfekt! Sie nahm ihre Handtasche vom Tisch, verabschiedete sich und ging nach Hause.
Zu Hause wollte sie ihre Einkaufsliste herausholen. Sie öffnete die Tasche und stutzte.
"Das ist ja gar nicht mein Geldbeutel!", rief sie erstaunt.
In der Tasche lag ein roter Geldbeutel. Emmas Geldbeutel war schwarz. Und da war auch ein Schlüsselbund mit einem Anhänger "Lieblingsoma". So einen hatte Emma nicht!
(Hier dürfen Sie schmunzeln)
"Oh je! Ich habe die Tasche von Frau Wagner erwischt!"
Schnell rief Emma beim Friseur an.
"Herbert, ich glaube, ich habe die falsche Handtasche mitgenommen!"
Herbert lachte. "Wissen Sie was, Frau Richter? Frau Wagner hat gerade angerufen. Sie hat das Gleiche gesagt! Sie hat Ihre Tasche!"
"Ach herrje", seufzte Emma. "Was machen wir denn jetzt?"
"Frau Wagner wohnt doch in der Lindenstraße, nicht wahr? Und Sie in der Rosenstraße? Das ist ja gleich um die Ecke. Warum treffen Sie sich nicht einfach auf halbem Weg?"
(Mit freundlicher Stimme weiterlesen)
Emma fand das eine gute Idee. Sie vereinbarten, sich in einer Viertelstunde am kleinen Park zu treffen.
Als Emma dort ankam, stand schon eine nette ältere Dame mit ihrer - nein, mit Emmas! - braunen Handtasche da.
"Sie müssen Frau Wagner sein!", rief Emma.
"Und Sie sind Frau Richter! Entschuldigen Sie die Verwechslung!"
Die beiden Frauen tauschten lachend ihre Taschen zurück.
"Wissen Sie", sagte Frau Wagner, "ich gehe schon seit zwanzig Jahren zu Herbert."
"Ich auch!", rief Emma erstaunt. "Immer donnerstags!"
"Ich komme immer mittwochs. Deshalb sind wir uns wohl noch nie begegnet."
(Pause machen und freundlich weiterlesen)
Die beiden Frauen kamen ins Plaudern. Es stellte sich heraus, dass sie beide im gleichen Jahr geboren waren. Beide hatten zwei Töchter. Beide spielten gerne Rommé. Und beide liebten Erdbeerkuchen!
"Wissen Sie was", sagte Emma, "hätten Sie nicht Lust, nächste Woche auf einen Kaffee zu mir zu kommen? Ich backe Erdbeerkuchen!"
"Oh, sehr gerne!", freute sich Frau Wagner. "Und ich bringe mein Rommé-Spiel mit!"
(Mit warmherziger Stimme zu Ende lesen)
Aus dem Handtaschen-Missgeschick wurde eine wunderbare Freundschaft. Von da an trafen sich Emma und Frau Wagner - die übrigens Hildegard hieß - jeden Dienstag zum Kaffee und zum Kartenspielen.
Und manchmal, wenn sie ihre braunen Handtaschen nebeneinander auf den Tisch stellten, lachten sie und sagten: "Weißt du noch, wie das damals anfing?"
Herbert, der Friseur, freute sich immer, wenn er die Geschichte hörte. "Bei mir", sagte er stolz, "werden nicht nur Haare schön - bei mir entstehen auch Freundschaften!"
(Am Ende lächelnd aufschauen)
[Gesprächsanregungen:] (Ruhig und interessiert nachfragen, nicht alle Fragen auf einmal)
Hatten Sie auch so eine Lieblingshandtasche?
Sind Sie auch regelmäßig zum Friseur gegangen?
Ist Ihnen auch mal etwas Lustiges vertauscht worden?
Haben Sie gerne Karten gespielt? Welches Spiel mochten Sie am liebsten?
Haben Sie auch durch Zufall mal jemanden kennengelernt, mit dem Sie dann befreundet wurden?